Lavendel
Dein Duft ist mehr als Zuversicht,
betörend stillt er unsre Hast.
Mondgeschwängertes Sonnenlicht
wohnt in deinem Blütenbast.
Wer sollte dir das Richtmass brechen,
nur Sanftmut kann dein Wesen sein.
Du edle Grosse im schlichten Kleid,
entlarvst den Lärm als Schattenriss,
weckst Stille, Ruh‘ – Bescheidenheit,
das brauchen wir heut ganz gewiss.


Rose
Edle Blässe – wie ein Schleier
besingt auf deinem Angesicht
dein blaues Blut die Lebensfeier,
das sich Verschenken der Natur.
Vollkommene Anmut, sie zerbricht
des Seins und Werdens Diktatur.
Erhaben über Zeit und Raum
erblüht das ewig neue Jetzt,
zart ergriffen wie ein Traum,
der die Seelenmitte netzt
mit honigblütensüssen Tränen
im blassen Rosa Schimmerlicht.
Du könntest dich im Himmel wähnen,
wären deine Dornen nicht.
Vornehm hüllst du dich in Schweigen.
Dein Lächeln bleibt stets unberührt.
Das Menschenauge muss sich neigen,
von so viel Demut angerührt.
Amaranth
Es perlt dein purpurroter Regen
spiralgebunden erdenwärts
als wüsstest du genau weswegen
dein Blütentausend strömt ins Herz.
Direkt und ohne langes Zaudern
entfesselst du dein Fackelspiel,
berauscht hör ich vergnügtes Plaudern
aus deinem roten Blütenstiel.
Ein Säuseln ist’s ganz wunderbar,
ein Murmeln, das dein Sein durchquert.
So sei – Choral der Blütenschar –
geadelt mit dem Purpurschwert.


Rittersporn
Spornte Flora dich beizeiten
an zu überschwänglich blau-violett,
singst du Kühne deine Töne,
farblich sicher im Duett
mit dem Sporn des Herren Ritters,
seines Zeichens Pate hier,
dem es, ob solch‘ Koloraturenflitters
die Stimm‘ verschlägt in dem Visier.
Doch unbekümmert nun zum Tanz
lässt du die Seelenfarben klingen,
gesegnet lichter Himmelsglanz
fliesst zu den kummervollen Dingen.
Du Rittersporn trägst als Dekor
die blaue Stola nicht vergebens,
denn Erdenschwere sieht empor
zum weiten Horizont des Lebens.
Und alles löst sich in ihm auf –
dein Himmelsaug’ das Lid nun senkt,
es lässt dem Schicksal seinen Lauf
und hat mich überreich beschenkt.
Mohnblume
Leise bebst und zitterst du
bei jedem Hauch, der dich erfüllt,
in sanfter Anmut immerzu
seidenreich in Licht gehüllt,
huscht Zauber, Fülle lichterloh,
an dir vorbei wie Perlenglanz
und doch lauschst du erwartungsfroh,
des Windes Bitt‘ zum nächsten Tanz.


Schwarzäugige Susanne
Oh, schwarzes Aug voll Himmelssonne,
du trübtest nie ein Angesicht,
denn freudig heiter, ja mit Wonne,
keimt in dir, was dir entspricht.
Und fröhlich also lässt du springen
der Knospenfülle Lichtgewand
und schlingst behände wie ein Singen
die Blätterranken bis zum Rand
der eignen Seligkeit empor.
Ein himmelwärts Streben
in leuchtgelbem Flor,
ein sich ganz Hingeben
wie niemals zuvor.
Blütenzauber
Wesensblüte, glüh mit mir –
im Namen deines Spiegels Licht.
Doch Wesensblüte, reiche mir
die Hand zu deiner Seele nicht.
Verwandt – entsprossen,
ins Sein gewandet –
und doch im Tode
als Staub gestrandet,
gemeinsam in Asche
und Glut verloren,
im steten Kreislauf
des Werdens geboren,
zitterst du – oder ich –
oh kurze Blütezeit
inmitten des Atems
der Ewigkeit.

